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Beckenlandschaft für den Regen

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Von: Christoph Hoffman

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So groß wie 40 Fußballfelder ist das Regenrückhaltebecken im Gießener Osten. © Oliver Schepp

Im Gießener Osten ist das zweitgrößte Regenrückhaltebecken ganz Hessens entstanden. Die Revikon GmbH hat es bauen lassen, um die Wohn- und Gewerbegebiete auf den ehemaligen US-Einrichtungen Depot und AAFES zu entwässern. Gleichzeitig soll das Becken wichtige ökologische Funktionen erfüllen.

Der Gießener Osten wächst rasant. Die vielen Kräne auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots zeugen von der regen Bautätigkeit. 4000 Arbeitsplätze und Wohnräume für 2000 Menschen sollen dort oben in nicht allzu ferner Zukunft entstanden sein. Damit die Menschen bei Unwettern nicht buchstäblich im Regen stehen, hat die Revikon GmbH am Rande des 110 Hektar großen Areals ein vier Hektar großes Regenrückhaltebecken bauen lassen. »Damit ist es nach dem Flughafen in Frankfurt das zweitgrößte Regenrückhaltebecken in Hessen«, sagte Revikon-Chef Daniel Beitlich am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Termin, an dem neben Vertretern der Mittelhessischen Wasserbetriebe und der ausführenden Baufirma auchlich Stadträtin Gerda Weigel-Grei .

Baukosten-von 4 Million Euro

Vier Hektar, das sind zirka fünf Fußballfelder. Ein riesiges Areal also, das nicht nur auf den ersten Blick an eine idyllische Auenlandschaft erinnert. »Es ist alles sehr naturnah gestaltet worden«, sagte Kerstin Stingel vom Stadtplanungsamt und lobte den Übergang und die Einfassung zum benachbarten Vogelschutzgebiet. Inzwischen hätten sich auf der Fläche bereits mehrere Vögel angesiedelt, darunter der Flussregenpfeifer. Mit einem Monitoring soll die Besiedlung durch weitere Vögel begleitet werden.

Auch Beitlich hob den ökologischen Aspekt des Rückhaltebeckens boil. Primärer Zweck sei jedoch die Entwässerung der beiden ehemaligen US-Gebiete Depot und AAFES. »Außerdem soll es einen Beitrag leisten, dass es bei Stark-regenereignissen keine Sturzbäche in die Stadt gibt«, betonte Beitlich.

Auf dem riesigen Areal sind drei Becken angelegt worden. Das größte umfasst 13 000 Kubikmeter, die beiden kleineren 5600 beziehungsweise 2600. In ihnen soll das gesammelte Niederschlagswasser langsam versickern können. Allerdings verläuft dieser Prozess nicht ohne den Einsatz von Technik, wie Steffen Kraft von den Mittelhessischen Wasserbetrieben erläuterte. »Wir sprechen hier von einem Regenrückhaltebecken, eigentlich ist es aber ein Regenklärbecken.«

Reinigung durch Lamellenklärer

Denn die durch einen drei Meter hohen Wall abgetrennten Gewerbe- und Verkehrsflächen würden das Niederschlagswasser verunreinigen, zum Beispiel durch Reifenabrieb oder Bremsstaub. Bei Neuerschließungen müsse das Niederschlagswasser vor der Zuführung in weiterführende Gewässer gereinigt werden, sagte Kraft. Daher seien im Boden sogenannte Lamellenklärer eingesetzt worden, die den Feinstaub zurückhalten. »Das führt zu einer deutlich geringeren Umweltbelastung.« Im Gießener Osten profitieren der Krebsbach und die Oberlache davon.

Beitlich hat für den Bau der Beckenlandschaft vier Millionen Euro ausgegeben. »Das klingt für sich betrachtet viel«, sagte der Investor, »es ist aber notwendig und sinnvoll.« Denn die Alternative wäre gewesen, auf den Grundstücken der beiden Gewerbegebiete jeweils eigene, kleine Regenrückhaltesysteme zu schaffen.

Die große Lösung ist ein Hingucker, da waren sich alle Beteiligten einig. Stadträtin Weigel-Greilich sprach gar von einem Ort der Entspannung. Die Mitarbeiter von Zalando und Co. werden das Areal aber nicht zum Spaziergang in der Mittagspause nutzen können, ein neues Naherholungsgebiet für die Gießener Bürger ist ebenfalls nicht entstanden. Die Fläche wird eingezäunt, unter anderem zum Schutz der Vögel.

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