Skip to content

Der innere Kompass sagt: Vögel, ab in den Süden! – Furth

– Die Zugvogel verlassen Deutschland. Der Landesbund für Vogelschutz bietet Veranstaltungen an, um sie dabei zu beobachten.

Kraniche, Schwalben und Sommergoldhähnchen, egal ob groß oder ganz klein: Auch in diesem Herbst machen sich wieder Millionen Vögel aus ganz Europa auf eine lange, grenzüberschreitende Reise, um den Winter in südlichen Ländern wie Spanien, Portugal oder Afrika zu verbringen. Im Rahmen der 29. europaweiten Aktion Birdwatch lädt der bayerische Naturschutzverband LBV am Wochenende vom 1. bis 2. Oktober ein, die Faszination Vogelzug hautnah in Bayern mitzuerleben.

Bei den Veranstaltungen und Exkursionen werden durchziehende Tiere wie Finken oder Watvögel bestimmt und gezählt. Mit ein bisschen Glück kann man auch noch einen spät ziehenden Wiedehopf, den Vogel des Jahres 2022, auf dem Weg ins tropische Afrika entdecken.

„Neben dem Erleben eines eindrucksvollen Naturschauspiels helfen die europaweiten Beobachtungen am Birdwatch-Wochenende, Veränderungen von Zugzeiten und Flugrouten unserer Vögel festzustellen. So bekommen wir auch Einblicke, wie die Klimakrise mit ihren Auswirkungen das Zugverhalten beeinflusst“, sagt die LBV-Expertin Angelika Nelson. Wer Zugvögel live miterleben möchte, findet LBV-Veranstaltungen unter www.lbv.de/birdwatch.

Anlass für die Tiere, sich auf den weiten Weg zu machen, sind die kürzer werdenden Tage, an denen die Sonnenstunden nachlassen und immer weniger Insekten unterwegs sind. „Sie verfügen über eine Art innere Uhr, die ihnen mitteilt, wann es Zeit für den Aufbruch ist. Sie bereiten sich auf ihre Reise vor, indem sie sich Fettreserven anfuttern, sich in großen Schwärmen sammeln oder im Familienverbund aufbrechen“, sagt Nelson.

Best Orientation

Dabei wissen sie dank ihres inneren Kompasses genau, wo ihr Ziel liegt und wie sie dorthin kommen. Junge Gänse, die zum ersten Mal die Reise im Familienverband antreten, lernen der Expertin zufolge dagegen von ihren Eltern die Zugroute mit Rastplätzen und dem geeigneten Überwinterungsort.

Bei manchen Arten aber scheint es so, als würden sie das ganze Jahr bei uns verbringen. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Zum Beispiel zieht ein Teil der bayerischen Rotkehlchen, überwiegend die Weibchen, im Winter nach Italien, oder auf die iberische Halbinsel.

Rotkehlchen aus Nord- und Osteuropa kommen dagegen zum Überwintern nach Bayern. „Bei Rotkehlchen und ähnlich auch bei Amseln kommt es zu einer Art Schichtwechsel: die bayerischen fliegen ein Stück weiter in den Süden und die nordischen kommen zu uns“, so die LBV-Biologin.

Ein echtes Schauspiel sind die spektakulären Flugformationen der Stare. Sie schließen sich nach der Brutsaison zu Scharen mit bis zu 1000 Tieren zusammen. Ihre riesigen schwarzen Schwärme sehen aus der Entfernung wie eine große, synchron ziehende Wolke aus.

Faszinierend zu beobachten ist dabei, dass die Vögel nie zusammenstoßen. Jeder Star achtet auf seine Schwarmnachbarn und versucht, zu diesen Vögeln immer dieselbe Position einzuhalten. Jede Richtungsänderung reißt somit auch den Schwarmgenossen mit. „Die Summe der Einzelentscheidungen ergibt dann das, was wir als sich einheitlich bewegende Wolke wahrnehmen“, weiß Nelson. Die Gruppe biete dem Individuum auch Schutz gegen Beutegreifer.

Greifvögel wie Wespenbussard oder Rotmilan fliegen am Tag, da sie die Thermik zum Aufsteigen nutzen. Die meisten Singvögel jedoch brechen bei sternenklarem Nachthimmel zwischen Dämmerung und Mitternacht auf. Sie sind im Schutz der Dunkelheit unterwegs, da sie tagsüber eine leichte Beute für größere Greifvögel sind.

„Außerdem ist es in der Nacht kühler. Die niedrigeren Temperaturen beugen Überhitzung vor, da die Muskeln durch den steten Flügelschlag viel Wärme produzieren“, erläutert die LBV-Biologin. In der Nacht orientieren sich die Vögel an der Konstellation des Sternenhimmels.

„Aufgrund der zunehmenden Erderwärmung, aber auch der Urbanisierung, überwinter jedoch immer mehr Vögel im Brutgebiet. So ist es keine Seltenheit, einen Zilpzalp oder eine Mönchsgrasmücke mitten im Winter an der Futterstelle zu entdecken“, so Nelson. Arten wie Buchfink, Sperling sowie Kohl- und Blaumeise, die sich hauptsächlich von Körnern und Sämereien ernähren, finden auch im bayerischen Winter genügend Futter und bleiben deshalb ganzjährig hier.

fn