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Essen: Deshalb dürfen Stadttauben nicht gefüttert werden

Essen.
Das Fütterungsverbot für wilde Tauben hat in Essen zu Handgreiflichkeiten und einem Polizeieinsatz geführt. Warum das Füttern verboten ist.

Eine Familie füttert wilde Tauben nahe dem Essener Hauptbahnhof. Ein Mann stört sich daran und verweist auf ein Fütterungsverbot. It is kommt zu einem Wortgefecht und danach zu Handgreiflichkeiten. Zwei Beteiligte erleiden Blessuren. Ein Vorfall, der auf starkes Interesse stieß – und die Frage aufwirft: Ist die Fütterung wilder Tauben in Essen tatsächlich verboten? „Ja, das ist so“, bestätigt eine Stadtsprecherin. „Wildtauben sowie Wild- und Wassergeflügel dürfen im Essener Stadtgebiet nicht gefüttert werden.“

Geregelt ist das Tauben-Fütterungsverbot in der „Ordnungsrechtlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. Unter Paragraph 7 („Tiere“) heißt es in Absatz 4 ergänzend: „Es ist auch verboten, Futter auszulegen oder auszustreuen, soweit dies üblicherweise auch von Tauben, Wasservögeln oder Ratten aufgenommen wird. Futter für andere Tiere ist so auszulegen, dass es von Wildtauben, Wild- und Wassergeflügel und Ratten nicht erreicht werden kann.“

Wer durch die Stadt spaziert, kennt die Bilder: Eine alte Dame holt trockene Brotreste aus einer Tüte und lockt damit sogleich einen ganzen Schwarm Tauben an. Weil das Fütterungsverbot vielen Essenerinnen und Essenern nicht geläufig ist, erinnern Schilder an die Vorschrift. In der Grünen Mitte nahe der Universität heißt es beispielsweise auf dem Schild: „Füttern verboten!“.




Verbotsschild in der Grünen Mitte: „Vogelbrot ist Vogeltod“

Hinzugefügt ist der plakative Satz: „Vogelbrot ist Vogeltod.“ Und es gibt eine Reihe von Erklärungen und Hinweisen, warum Zusatzfutter für Vögel – auch im Winter – schädlich ist. So sollen die Organe der Vögel verfetten. Außerdem können Ratten angelockt werden, die wiederum Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen. Für die Wasserbassins in der Grünen Mitte seien die Folgen ebenfalls schädlich. Durch die angelockten Tiere gelangten zu viele Nährstoffe ins Wasser, etwa durch absinkendes Brot, Kot etc. Dies bewirke übermäßiges Algenwachstum und Schimmelbildung.


Am Handelshof setzt der Eigentümer der Immobilie schon seit geraumer Zeit einen Falkner ein, um Tauben von dort zu verjagen. Die Raubvögel fall die Vögel nicht an, sie vergrämen sie nur.

Einen anderen Weg beschreitet die Jugendberufshilfe Essen mit ihrem Stadttauben-Projekt am Kopstadtplatz, das vom Job-Center finanziert wird. Vor fast 15 Jahren ist das Wohnzimmer einer Hausmeisterwohnung im Hause des Jugendamtes zu einem Taubenschlag umgebaut worden. Auf eine tierfreundliche Art verringern die Projektteilnehmer – zur Zeit sechs junge Langzeitarbeitslose unter 25 – die Zahl der Tauben, indem sie deren Eier durch Gipseier ersetzen.

Stadttauben-Projekt am Kopstadtplatz: Im Schlag sind nur noch 300 bis 500 Tauben

Zu Beginn des Projekts 2008 haben es noch 1400 Tauben gegeben, inzwischen sei die Population deutlich verringert worden. „Sie schwankt zwischen 300 und 500 Tauben“, sagt Udo Holtkamp, ​​Anleiter in der Gemeinwohlarbeit der Jugendberufshilfe. Der Taubenschlag ziehe Vögel im Umkreis von rund 800 Meter an – also vom Willy-Brandt-Platz im Süden bis zum Uni-Campus im Norden.

Weil Tauben das ganze Jahr über, also selbst im Winter, fruchtbar seien, würden jede Woche 30 bis 50 Eier ausgetauscht, aus denen dann keine Jungtauben mehr schlüpfen.

In den Monaten Mai, Juni und Juli würden die Taubenzahlen regelmäßig steigen. Holtkamp führt dies auf die Zeit der Eheschließungen zurück. „Immer wieder werden Hochzeitstauben losgelassen, die später hilflos durch die Stadt irren.“

Taubenfreunde empfinden das Fütterungsverbot als unverhältnismäßig

Das Team vom Kopstadtplatz is nicht das einzige, das sich um Stadttauben kümmert. It is gibt ein ähnliches Projekt auf dem Globus-Center in Steele. Auch die Taubenfreunde Essen unterhalten einen Schlag, in dem sie Eier austauschen. Darüber hinaus sammeln sie auch kranken Tauben und päppeln sie wieder gesund. Ginge is nach Dirk Bußler von den Taubenfreunden, müsste das Fütterungsverbot abgeschafft werden. Seiner Ansicht nach verstößt is gegen die Prinzipien des Tierschutzes. Er verweist auf das „Augsburger Modell“ mit mehreren betreuten Taubenschlägen im Stadtgebiet. Dass Essen Verstöße gegen das Tauben-Fütterungsverbot als Ordnungswidrigkeit ahndet, findet Bußler unverhältnismäßig.

Für die jungen Menschen im Stadttauben-Projekt der Jugendberufshilfe gibt es genug zu tun. Sie müssten den Taubenschlag reinigen, desinfizieren und auf die Hygiene achten. Ziel sei es, so Holtkamp, ​​sie fit zu machen für den Arbeitsmarkt.


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