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Monitoring im Fichtelgebirge: Wie geht es dem Auerhuhn? – Fichtelgebirge

Imposing Auerhahnbalz

„Ein Erlebnis, das niemand vergisst, der es einmal gehabt hat, ist die höchst imposante Auerhahnbalz“, berichtet Martin Hertel vom Forstbetrieb Fichtelberg. Diese findet einmal im Jahr zwischen Ende Februar und Anfang Mai statt. Der balzende Auerhahn stößt dabei einen unverwechselbaren Gesang aus Klicklauten aus und schlägt mit seinen Schwanzfedern ein perfektes fächerförmiges Rad. Davon erhofft sich der liebestrunkene Hahn die Aufmerksamkeit einer Auerhenne und deren baldige Bereitschaft zur Paarung. Konkurrenten werden aggressiv bekämpft. Nach erfolgreicher Begattung legt die Henne mehrere Eier in eine Nestmulde ab und bebrütet sie. Die Küken schlüpfen nach knapp einem Monat und bleiben die ersten Lebenswochen noch im Nest, wo sie von der Mutter fürsorglich vor Kälte, Regen und zu großer Hitze beschützt werden. Die Mutter nimmt dabei ihre Kleinen from her buchstäblich unter ihre Fittiche from her.

Einen Auerhahn oder eine Auerhenne zu erkennen, ist eine ziemlich eindeutige Sache. Doch den meisten an der Erhebung Teilnehmenden dürfte dieses Vergnügen wohl kaum beschieden sein, sind die Tiere doch insgesamt sehr scheu und schwer auffindbar. Deshalb wird in erster Linie nach anderen Hinweisen wie Federn, Kot oder typischen Krallenabdrücken am Boden gesucht.

Schulung zur Spurensuche

Wie genau diese Spuren aussehen, an welchen Punkten im Gelände aufgenommen wird und wie die Ergebnisse zusammengeführt werden, das erfahren die an der Suche Beteiligten im Rahmen einer Schulung, die ein Spezialistenteam der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ausrichtet. Das kommentiert der Leiter dieser Veranstaltung Martin Lauterbach so: „Die Aufnahme im Fichtelgebirge ist Teil eines bayernweiten Monitorings. Sie erfolgt nach genau vorgegebenen Standards, damit wir die hiesigen Ergebnisse zum Beispiel auch mit jenen in den Alpen oder im Bayerischen Wald vergleichen können. So verschaffen wir uns einen objektiven Eindruck über den gesamten bayerischen Auerhuhnbestand.“

„Mit der heutigen Schulung fühle ich mich gut gerüstet. Ich bin schon gespannt, was wir finden und kann’s kaum erwarten, bis es Ende Juli los geht“, so Andreas von Herßberg, einer der zukünftigen Kartierer des LBV.

Die Aufnahme erfolgt an insgesamt 784 Geländepunkten in einem fest vorgegebenem Rasternetz. Sie soll bis Ende Oktober dauern. Alle Funde und Beobachtungen werden sorgsam notiert und GPS-vermessen. Außerdem werden an jedem Aufnahmepunkt bestimmte, für die Auerhühner wichtige Waldstrukturen wie Biotopbäume, Totholz, vorkommende Ameisenhaufen oder Heidelbeerteppiche erhoben. Damit die Aufnahme reibungslos klappt, braucht es von Anbeginn eine gute Coordination. Projektleiterin Sabine Schulze von der Fachstelle Waldnaturschutz: „Ich werde die Aufnahmeteams eng betreuen und ihnen, wo immer nötig, Unterstützung zukommen lassen.“

Maßnahmen bei negativen Trends

Mit dem neuen Auerhuhn-Monitoring werden objektive, belastbare Aussagen zum Zustand aller bayerischen Auerhuhnpopulationen gewonnen. Veränderungen der Vogelbestände und ihrer Lebensräume sollen rechtzeitig erkannt werden. Dadurch kann bei negativen Trends bei Bedarf mit geeigneten Maßnahmen gezielt gegengesteuert werden.

Eben diese Aussagen fordert auch die EU von ihren Mitgliedstaaten zur Erfüllung ihrer Natura 2000-Berichtspflichten. „Was auch immer am Ende herauskommt – und wir alle hoffen natürlich inständig, dass es dem Auerhuhn im Fichtelgebirge gut geht –lässt sich jetzt bereits sagen, dass die Zusammenarbeit von Behörden, Staatsforsten und Verbänden in dieser Form bisher einmalig ist und Vonürbild sein künftige ähnliche gemeinsame Projekte“, so Klaus Stangl, Leiter der Fachstelle Waldnaturschutz. „Unsere Zusammenarbeit kommt nicht nur dem Auerwild zugute, sondern stärkt auch das seit Jahren bestehende Netzwerk für den Waldnaturschutz. Wir betreiben gemeinsame Daseinsvorsorge für die Generationen nach uns.“

Die Ergebnisse der Aufnahme werden Ende des Jahres vorliegen.

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