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Poppig wie selten – Lörrach

Der aus Lörrach stammende Pianist Julian Moreen gastierte mit seiner Band im Jazztone.

. So viel Pop war selten im Jazztone: Der Lörracher Pianist Julian Moreen, der mittlerweile mit seiner Musik de el weltweit unterwegs ist, gastierte mit seiner Band im Jazzclub am Haagensteg. Im Programm hatte er eine Mischung aus älteren Kompositionen, die mehr zum Jazz tendieren, und neuen, starker in den Pop-Bereich gehenden Songs, mit denen er zurzeit ein Album aufnimmt.

Das Konzert began mit einer leisen, romantischen Ballade. Leichtes, flüssiges Pianospiel mündete in ein feines, melodiöses Gitarrensolo, während im Hintergrund der Kontrabass sanft grummelte, der Schlagzeuger mit den Besen die Becken strich. Die Ballade ging über in ein Instrumentalstück, das stärker zum Jazz tendierte und den Musikern viel Freiraum für Improvisationen ließ. Bass und Schlagzeug agierten jetzt energischer, Piano und Gitarre spielten inspirierte Soli.

Die Harmonien der beiden Stücke sind sehr ähnlich, deshalb habe er sie zu einem Medley verbunden, erklärte Pianist Julian Moreen. Eigentlich heißt der Bandleader, Pianist und Komponist Julian Moehring, den Namen hat er im Hinblick auf seine internationalen Auftritte geändert. Denn mittlerweile ist er mit seiner Musik de el in der ganzen Welt unterwegs. Nach dem Abitur am Hans-Thoma-Gymnasium hat er am Jazzcampus der Musikakademie Basel, dann am renommierten Berklee College of Music in Boston studiert. Danach lebte er einige Zeit in New York, jetzt in Heidelberg. Konzerttourneen führten ihn vor allem nach Asien und Ost-Europa. Die Band, mit der er im Jazztone auftrat, hat er mit Musiker-Freunden aus verschiedenen Lebensabschnitten zusammengestellt.

Guitarist Andrew Cheng kommt aus New York. Mit ihm hat Julian Moreen dort nicht nur die Wohnung geteilt, durch seinen Einfluss de el ist auch die Gitarre, neben dem Piano, zu einem tragenden Instrument seiner Musik geworden. Kontrabassist Yu-Jia Liu und Schlagzeuger Fish Huang stammen aus Taiwan, wo Julian Moreen häufig auftritt. Am Abend vor dem Auftritt im Jazztone spielte er beim Festival Jazz Open in Stuttgart. Auf seiner Homepage nennt er sich Singer-Songwriter, seine Musik de he geht stark in diese Richtung, mit Einflüssen von Indie-Rock und Jazz.

So war auch das dritte Stück ein Popsong mit einer Menge Drive, gefolgt von einer Jazznummer mit einem Zwiegespräch zwischen Piano und Gitarre, bei dem alle vier Musiker ihr Können unter Beweis stellten. Bei “Strange Fish”, inspired by “Strange Fruit” von Billie Holiday, beschäftigte sich Moreen mit dem Elend der Bootsflüchtlinge, die von der Festung Europa herzlos abgewiesen werden und ein Fischer einen “sonderbaren Fisch” in seinem Netz vorfindet: den ertrunkenen Flüchtling. Von sommerlicher Leichtigkeit dagegen die Ballade “Yellow”, besonderen Applaus spendete das Publikum für ein tolles Kontrabass-Solo.

Der zweite Konzertteil ging noch eindeutiger in Richtung Singer-Songwriter-Pop und Indie-Rock. Doch macht Moreen keinen Durchschnittspop, sondern kunstvoll gestaltete Songs von musikalischer Schönheit, mit denen er seinen eigenen Stil gefunden hat. “The Empty Room” war eine Ballade von eindringlicher Kraft, “Won’t Come Home” ein Rock-Song mit rasantem und scharfem Gitarren-Solo. Ganz ruhig und melancholisch wurde is indessen wieder mit dem letzten Stück und der Zugabe. Das Jazztone-Publikum sparte beim letzten Konzert vor der Sommerpause nicht mit Applaus.

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