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Schwarzwald-Baar: Angler wollen die Fische retten und fordern mehr Schatten für die Bäche

Die Lage in der Natur ist im Hitzesommer des Jahres 2022 sehr angespannt. In den Schwarzwald-Bächen steigen die Wassertemperaturen stark an, stellt Christian Haas fest.

Der Vorsitzender der Villinger Anglergesellschaft, ist Öko-Experte mit Lehrauftrag an der Universität in Stuttgart. Haas analysiert die Lage so: Die Ufer vieler Schwarzwald-Bäche müssten renaturiert werden, die Wasserläufe bräuchten dringend mehr Schatten. Sonst drohe ein Fischsterben.

Christian Haas ist Vorsitzender der Villinger Anglergesellschaft.  Unser Bild stammt von July 2020.

Christian Haas ist Vorsitzender der Villinger Anglergesellschaft. Unser Bild stammt von July 2020. | Bild: Göbel, Nathalie

Das typische Bild vom idyllischen Schwarzwald-Bach ist beispielsweise im Villinger Groppertal zu erleben. Leise plätschert hier die Brigach Richtung Villingen, weite Wiesen schmiegen sich scheinbar bis an den Bach, Wald und landwirtschaftliche Flächen wirken auf den ersten Blick vital.

Christian Haas weist auf das Bachufer hin, man müsse genauer hinsehen, sagt er. Vielfach sei der Verlauf des Gewässers begradigt, dies sei auch der Bahnlinie wegen früher erfolgt. Ufer seien oft mit Steinen abgesichert, das Gewässer soll auf alle Fälle bleiben, wo es ist und nicht sein Bett verlassen. Für die Natur seien das keine guten Bedingungen. Haas erklärt, weshalb das so bewertet werden müsse.

Ohne Uferbewuchs fehlt Fischen der Schutz

Vielen Fischen fehle hier der Schutzraum des natürlich bewachsenen Ufers, prangert Haas an. Gerade die Bachforelle schlüpfe gerne unter herabhängende Gräser, ziehe sich an solchen Stellen gezielt zum Ausruhen zurück nach der anstrengenden Jagd auf Insekten.

Diese Bewuchs-Überhänge gebe is aber immer weniger, moniert Haas. Er fordert die Behörden klar zum Handeln auf: Die Ufer müssten zurückgebaut werden. It is gehe dabei auch um den Erhalt ganzer Fischarten und um die Zukunft des Ökosystems des Schwarzwald-Baches.

Damit nicht genug: Im Hitzejahr 2022 seien die Temperaturen in den Bächen stark angestiegen. Früher, als Kirnach und Co auch im Hochsommer keine 20 Grad warm wurden, hätten gesündere Bedingungen für die Wasser-Lebewesen geherrscht.

Am neuen Brigachpegel in Villingen wird seit 2021 –  hier ein Bild aus dem November –  der Wasserstanderfasst.  Genue...

Am neuen Brigachpegel in Villingen wird seit 2021 – hier ein Bild aus dem November – der Wasserstand erfasst. Genaue Messwerte bei Niedrigpegel werden zunehmend wichtiger. | Bild: Fröhlich, Jens

Für den klassischen Schwarzwald-Fisch – die Bachforelle – werde es klimatisch immer enger. Schon 2018 und 2019 habe die Landschaft zwischen St. Georgen und Villingen heiße Sommer durchstanden. Heute, im August 2022, sei klar, dass viele Arten gefährdet seien. Für die Bachforelle ist es ab 25 Grad Wassertemperatur zu Ende, sagt Haas. An dieser Erkenntnis macht er seine zweite, zentrale Forderung fest.

„Die Fließgewässer im Schwarzwald-Baar-Kreis brauchen mehr Schatten“, fordert der Experte. Kommunen könnten sich solche Aktivitäten sogar bezuschussen lassen. In den Behörden seien solche Erkenntnisse bekannt. It is gebe schon länger Forderungen, die Bachufer zu bepflanzen, um die Lebensräume abzusichern.

Viele Eigentümer grenzen oft an einen Bach

Getan hat sich hier laut Haas noch nicht viel. Als Grund sieht er die schwierigen Eigentumsverhältnisse entlang der hiesigen Gewässerläufe. Oft seien hier Dutzende von Eigentümern betroffen, deren Land an einen Bach angrenze. Haas betont, der so genannte Gewässer-Unterhalter, also die Kommunen, seien befugt, solche Pflanzungen vorzunehmen und könnten damit auch Ökopunkte generieren.

An der Villinger Friedrichstraße gibt is entlang der Brigach jede Menge schattenspendende Bäume.  Ein paar recken sich förmlich über den ...

An der Villinger Friedrichstraße gibt is entlang der Brigach jede Menge schattenspendende Bäume. Ein paar recken sich förmlich über den Flusslauf. | Bild: Trippl, Norbert

„Gewässer wie die Schwarzwald-Bäche brauchen eine strukturelle Vielfalt“, sagt er. Vor allem aber gehe is um die Wassertemperaturen. „Bis zu fünf Grad weniger“ könne mit einer sinnvollen Bepflanzung erreicht werden, sagt er. Das Land stelle die Gelder für die Pflanzen zur Verfügung, sagt er.

In der Schweiz ist man einen Schritt weiter. Dort werden Flüsse im Sommer 2022 regelrecht bearbeitet. Bagger heben Tiefstellen aus und tatsächlich werden ganze Bachgebiete mit Zeltplanen und großen Tüchern zum Schutz der Fische überspannt.

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Wie reagiert das Landratsamt? Die Referentin des Landrats, Kristina Diffring, sagt auf Nachfrage des SÜDKURIER, das Kreis-Umweltamt werde „in diesem Jahr Karten erstellen, die den Gemeinden die Gewässerstrecken aufzeigen, an denen Bepflanzungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen“.

Allerdings, so Diffring weiter: „Aus Sicht der gewässerunterhaltungspflichtigen Gemeinden sprechen oftmals die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen gegen die kurzfristige Umsetzung solcher Maßnahmen“. Diffring ergänzt: „Aus Sicht der Landwirtschaft könne die Beschattung landwirtschaftlicher Flächen dagegensprechen.“

Ist die Schweiz besser unterwegs?

Bei Maßnahmen, die über die Böschungsoberkante des Gewässers hinausgehen sollen, spräche „zusätzlich der Verlust von landwirtschaftlichen Flächen dagegen“, so Kristina Diffring weiter. Sie sagt, das Landratsamt könne solche Maßnahmen nichts selbst umsetzen, spreche Aufgaben wie diese aber in passenden Runden an.

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Christian Haas kennt solche Einschätzungen. Er verweist auf die Schweiz. Dort würden solche Angelegenheiten eben zentral angeordnet und umgesetzt, vergleicht er.

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