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Tierheim als letzter Ausweg: So viel kostet die Abgabe eines Tiers

Tierheime in Deutschland müssen zur Ferienzeit massenhaft ausgesetzte Tiere aufnehmen. Man kann in der Not sein Tier auch dort legal abgeben. Die Kosten dafür in Deutschland sind recht unterschiedlich.

Dieser Artikel erschien Mitte Januar erstmals auf stern.de. Angesichts der vielen illegal ausgesetzten Tiere veröffentlichen wir ihn in veränderter Form mit aktuellem Kontext erneut.

Das Hamburger Tierheim verzeichnet in diesen Tagen die ersten “Ferienopfer”, wie es in einer Pressemitteilung heißt: Allein in den vergangenen drei Wochen wurden nach Angaben der Tierschützer 97 Tiere im Stadtgebiet mutmaßlich ausgesetzt, vom Tierrettungsdienst abgeholt oder direkt in die Einrichtungstra , für manche Haustiere endete der Ferienbeginn tödlich.

Mit mehr als 50 Fundtieren pro Woche rechnet das Tierheim in der Hansestadt im schlimmsten Fall während der großen Ferien. Zwar sind Einrichtungen wie diese nicht als Urlaubs-Unterbringung gedacht. Tierheim-Chefin Janet Bernhardt sagt jedoch: “Wer sein Tier nicht mehr versorgen kann oder möchte, sollte es zumindest an einem sicheren Ort wie unserem Tierheim abgeben.”

Die Einrichtung im Hamburger Osten verzeichnet pro Jahr etwa 800 Fälle, in denen Haustiere von ihren Haltern abgegeben werden, sagte eine Sprecherin des Tierheims, das jährlich im Schnitt etwa 4000 Haustiere aufnimmt, dem stern bei den Recherchen zu diesem Artikel im Januar. Zu den abgegebenen Tieren kommen behördliche Sicherstellungen und auch Fundtiere hinzu, also beispielsweise streunende Katzen, die augenscheinlich niemandem gehören.

Katze oder Hund ins Tierheim abgeben – ein schwieriger und trauriger Entschluss

Eine Katze oder einen Hund im Tierheim abzugeben, ist für die meisten Menschen eine schmerzvolle Entscheidung und sollte die letzte Option sein – allerdings ist es immer noch besser, als das Tier einfach auszusetzen, was nicht nur für das Tier lebensgefährlich sein kann, sondern auch mit einer Geldbuße von bis zu 25,000 Euro geahndet wird. Ist das Leben des Tiers bedroht, ist es zudem eine Straftat, wofür bis zu drei Jahre Gefängnis drohen.

Die Kosten für die Abgabe eines Haustiers im Tierheim sind deutschlandweit recht unterschiedlich, wie der Spezialist für Tierkrankenversicherungen, SantéVet, Anfang des Jahres in einer Untersuchung herausfand. Im Schnitt müssen Tierbesitzer für einen Hund 89 Euro zahlen und für eine Katze 54 Euro, so das Ergebnis der Umfrage bei Tierheimen in den 20 größten Städten in Deutschland.

Wer in Hamburg oder Bochum sein Haustier abgibt, zahlt der Untersuchung zufolge am meisten: Einen Hund in die Obhut der Tierschützer wegzugeben, kostet demnach in beiden Städten 250 Euro, eine Katze in Hamburg 150 Euro, in Bochum 100 Euro.

In Leipzig würden 180 Euro für einen Hund verlangt und 90 Euro für eine Katze, in Bremen 140 Euro für einen Hund und 100 Euro für eine Katze.

Listenhunde im Tierheim abgeben, kann Hunderte Euro kosten

Manchmal kann es auch teurer werden – beispielsweise bei Listenhunden, die erfahrungsgemäß schwieriger an neue Besitzer weitervermittelt werden. “In Bochum beispielsweise können sich die Abgabekosten so auf bis zu 400 Euro erhöhen, in Hamburg auf bis zu 350 Euro”, so das Ergebnis der Umfrage.

Wer sich die Abgabekosten nicht leisten könne, sollte sich dennoch an das zuständige Tierheim wenden, raten die Experten von SantéVet. Dann könne man sich gemeinsam eine Lösung überlegen.

In manchen Tierheimen ist die Abgabe von Haustieren auch kostenlos – in Köln und Nürnberg verlangen die Einrichtungen der Umfrage zufolge kein Geld dafür. Allerdings weise etwa das Nürnberger Tierheim ausdrücklich darauf hin, dass Besitzerinnen und Besitzer Verantwortung für ihre Tiere tragen. Keinesfalls sollte die Entscheidung, sein Tier wegzugeben, leichtfertig getroffen werden.

In Münster und Düsseldorf ist die Abgabe vergleichsweise günstig, zeigt die Umfrage: In der Universitätsstadt würden im Schnitt 13 Euro für Hunde und Katzen berechnet, in der Rheinmetropole 15 Euro.

Doch egal, ob die Gebühren hoch oder niedrig erscheinen – sie sind in jedem Fall symbolisch, denn sie decken keinesfalls die Kosten für Futter oder tierärztliche Versorgung. Das weiß schon jeder Tierbesitzer aus Erfahrung.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes gibt es in Deutschland allein mehr als 550 Tierheime, die den Vereinen der Organization angeschlossen sind. Das sind eine Menge Anlaufstellen für Menschen, die in der Not ihr Tier abgeben müssen. Dennoch werden auch derzeit offenbar wieder viele Tiere einfach so ausgesetzt. “Gerade bei unüberlegten Anschaffungen eines Haustieres während der Coronazeit sehen sich die Tierhalterinnen und -halter jetzt, da das Reisen wieder möglich ist, vor Unterbringungsprobleme gestellt”, so der Hamburger Tierschutzverein.

Tierheime vermitteln nur kastrierte, gechippte und geimpfte Schützlinge – dementsprechend nehmen sie entweder nur solche Tiere auf oder erheben Gebühren, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Wer also einen Hund oder eine Katze schweren Herzens im Tierheim abgibt, kann zumindest sicher sein, dass der ehemalige Mitbewohner dort gut versorgt wird – und hoffen, dass das Tier in ein neues Zuhause vermittelt wird.

“Wir haben sehr viel Verständnis, wenn man sich aus verschiedenen Gründen – finanziell, familiär, wegen des Jobs – nicht mehr um sein Tier kümmern kann und es dann bei uns abgibt”, sagte die Sprecherin des Hamburger Tierheims. Und so enden traurige Geschichten auch häufig glücklich. Auf der Website des Einrichtung sind derzeit einige Fundtiere abgebildet, die sich “bereits in Vermittlung” befinden.

quellen: Hamburger Tierschutzverein, SantéVet



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