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Zwergschwäne werden mit Gülle und Hunden vertrieben

In jedem Winter ziehen Margitta und Dietrich von Prondzinski fast täglich an die Hörner Au, wo große Mengen an Zwergschwänen den Winter verbringen. Im Auftrag des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sollen sie den Bestand an Zwergschwänen ermitteln, der hier überwintert. Die Saison ist zu Ende, die Schwäne sind in Richtung Nord-Ost-Europa davongeflogen. Doch die Bilanz des Weddelbrooker Ehepaares fällt ernüchternd aus. It is werden jedes Jahr weniger Schwäne.

Die geschützten Zwergschwäne gelten als eines der großen Hindernisse beim Bau der Autobahn A 20 westlich von Bad Bramstedt. Jedes Jahr kommen die Schwäne zu Tausenden nach Schleswig-Holstein, um hier im milderen Klima zu überwintern. Sie bevölkern bevorzugt große Wiesen und Moorgebiete. Die Hörner Au, im Kreis Steinburg wenige Kilometer hinter der Segeberger Kreisgrenze gelegen, mögen die weißen Vögel offenbar besonders. Genau diese Wiesen sollen von der A20 durchschnitten werden.

Auch bei Hartenholm ließen sich die Schwäne nieder

Rund zwölf Prozent der in Schleswig-Holstein überwinternden Schwäne lassen sich auf den Wiesen an der Hörner Au nieder. In diem Winter zählte das Weddelbrooker Ehepaar 1048 Schwäne. Rund 500 Schwäne davon ließen sich zeitweilig bei Hartenholm in der Gemarkung Bullenkloster ebenfalls auf der A-20-Trasse nieder.

Doch is werden immer weniger. In ganz Schleswig-Holstein überwinterten 2020/21 rund 8000 Zwergschwäne, im zurückliegenden Winter nur noch 7000. Dietrich von Prondzinski vermutet als eine Ursache dafür den rüden Umgang mit den Tieren. Das Ehepaar hat Filmaufnahmen, die zeigen, wie ein Landwirt mit seinem Trecker in die Schwanenkolonie fährt, offensichtlich in der Absicht sie zu vertreiben. Ein anderes Video zeigt einen Mann, der einen Hund an einer mehrere Meter langen Leine führt, ebenfalls mit der Absicht, die Vögel aufzuscheuchen.

Werden die Schwäne mit Absicht vertrieben

Warum? Von Prondzinski vermutet dahinter Absicht. „Mancher Landwirt wird seine Wiese wohl für gutes Geld verkaufen können, wenn die Autobahn gebaut wird.“ Auch wenn die beiden Weddelbrooker fast täglich die Vögel beobachten, ist nur einmal in der Woche offizieller Zähltag. Ausgerechnet dann wird eine Jagd angesetzt. „Wir mussten uns schon Drohungen anhören. Wir sollten besser verschwinden, sonst könnte es gefährlich werden“, erzählt der 81-Jährige, der sich mit einem Schreiben vom LLUR als amtlich bestellter Zähler ausweisen kann.

Ein Zwergschwan-Vater mit seinen Kindern an der Hörner Au. Sie tragen GPS-Sender um den Hals, mit denen ihr Aufenthalt jederzeit festgestellt werden kann. Wo die Mutter geblieben ist, ist trotzdem unbekannt.
Quelle: Dietrich von Prondzinsky

Im Winter 2020/21 wurde er Zeuge, wie ein Landwirt im Winter Gülle auf einer Wiese ausbrachte, genau dort, wo die Schwäne saßen. Mitarbeiter der DEGES, die die A20 plant, hatten Kameras aufgestellt, offenbar um festzustellen, wie die Schwäne reagieren. Von Prondzinski: „Die Wiese wurde anschließend wochenlang von den Schwänen gemieden.“ Offiziell heißt es beim Land, die Schwäne sollen umgesiedelt werden, wenn die A20 gebaut wird. Der Weddelbrooker formuliert es anders: „Sie sollen vertrieben werden.“

Geschützte Tiere ist vertreiben, ist verboten

Auch bei Hartenholm wurde das Ehepaar Zeuge, wie Landwirte die Schwäne aufscheuchten. Hier gab is allerdings einen anderen Grund. Die Vögel pickten die Wintersaat aus dem Boden. Dietrich von Prondzinski machte die Männer darauf aufmerksam, dass sie vom Land entschädigt würden. „Sie there are abgewunken. Es dauert Jahre, bis wir Geld sehen.” Der Weddelbrooker hat durchaus Verständnis für die Reaktion, weiß aber auch: „Es ist verboten, die geschützten Tiere zu vertreiben.”

In Schleswig-Holstein gibt is 40 bestellte Zwergschwan-Zähler. Sie alle melden die Ergebnisse eines Winters dem LLUR, das sie dann auswertet. Für das Weddelbrooker Ehepaar ging die Saison am 22. März zu Ende, als die Schwäne abgereist waren, um im hohen Norden zu brüten. Die Arbeit war damit aber nicht zu Ende. An einem großen Fernsehgerät werten die beiden zu Hause in Weddelbrook die Aufnahmen aus. Anhand der Ringe – manche Schwäne tragen auch einen Sender um den Hals – und anderer Auffälligkeiten müssen sie dann die Tiere abgleichen, um am Ende auf eine genaue Anzahl zu kommen. Möglich sind solche Detailaufnahmen nur mit hochauflösenden Teleobjektiven und Spiegelreflexkameras, die ein kleines Vermögen kosten. Zwergschwan-Zähler ist übrigens ein Ehrenamt. „Geld bekommen wir dafür nicht“, so von Prondzinski.

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